Montag, 4. März 2013

Review: ELV DM9199

Jeder der sich mit Elektronik beschäftigt, braucht ein Multimeter. Oder zwei oder drei.
Unglücklicherweise kann das ziemlich ins Geld gehen. Deshalb ist es immer interessant sich auch mal die eher günstigen Vertreter der Gattung anzusehen. Einer dieser Vertreter ist das DM9199 von ELV um etwa 80€. Auf dem Blatt Papier macht es einen guten Eindruck, ob es den auch in der Praxis erhalten kann werden wir jetzt sehen.






Spezifikationen

Die Specs sind für ein Gerät dieser Preisklasse ziemlich beeindruckend.
40000 Counts bei 0.06% Grundgenauigkeit gibt es sonst nur für deutlich mehr Geld. Auch ansonsten gibt es an Funktionen alles was man sich von einem Multimeter wünschen kann. Widerstands-, Dioden- und Kapazitätsmessungen, Temperatur, Frequenz und Strom bis in die µAs. Da kann man nicht meckern. Ich hab hier zwar keine Möglichkeit echte Referenzmessungen durchzuführen, aber im Vergleich mit meinen anderen Multimetern scheint es die Spezifikationen zu erfüllen. 

Verarbeitung 

Nettes Detail: die Form des Batteriefaches verhindert ein Verpolen
Das Multimeter fühlt sich im großen und Ganzen sehr robust an. Kein Knarzen oder Sonstiges. Das Plastik ist nicht das Beste, aber an sich ok. Man kriegt keinen Ausschlag davon. Obendrauf gibt's noch ein IP67 Rating das allerdings eher als Werbegag gesehen werden muss. Wasserdicht ist das Ganze nämlich nur mit den original Messleitungen und Verschlusskappen für die beiden übrigen Buchsen. Die Kappen hab ich mittlerweile irgendwo verloren, wie das bei so Kleinzeugs üblich ist. Die Verarbeitung geht in Ordnung. Hier und da ein paar Nähte und kleinere Nasen am Plastik aber nichts Gravierendes.
Schraube mit O-Ring, U-Scheibe und Wurstfinger 
Das Multimeter läuft mit einer 9 Volt Batterie. Zum Wechseln muss man zwei Schrauben lösen. Dabei handelt es sich um Maschinenschrauben die in eingelassene Muttern greifen. Kein Problem. Zugriff auf die Sicherungen hat man hier allerdings nicht. Dafür muss man das Gehäuse mit 6 Schrauben öffnen. Diese sind selbstschneidend und gehen direkt ins Plastik. Immerhin sind sie mit Dichtungen und U-Scheiben bestückt. 

Beim Öffnen des Gehäuses merkt man dass es selbst ohne Schrauben relativ fest zusammen hält. Das liegt daran, das rund um die Unterseite eine Aussparung verläuft, in die die zugehörige Lippe der Oberseite greift. Das macht man damit im Fehlerfall eventuelle Explosionen oder Brände im Gerät bleiben und einem nicht die Finger abreißen. Daumen hoch!
Im inneren geht es eng zu. Der COM-Eingang ist über ein Kabel quer über Board gelegt
Sobald man das Gehäuse dann auf hat erhält man ungehinderten Ausblick auf die Platine und die beiden Sicherungen. Bei der 10A Sicherung handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um einen HRC-Typen, bei der kleinen 400mA Sicherung bin ich mir nicht Sicher. Die Platine selber hinterlässt einen geteilten Eindruck. Auf der einen Seite gibt es einiges an Schutzvorkehrungen an den Eingängen (mehrere MOVs und Lastwiderstände sowie ein dicker PTC), zum anderen sind diese doch arg zusammen gequetscht, mit zum Teil stark verbogenen Anschlussdrähten. Diese könnten potentiell brechen oder Kurzschlüsse verursachen. Auch das Kabel, das quer über die Platine läuft macht nicht den besten Eindruck.

Handling

Die Messleitungen sind als CAT. IV gekennzeichnet. 
Beim Einschalten wird man vom Gerät erstmal rüde angepiepst, ein verhalten, was sich konsequent durchzieht. Jede Interaktion wird mit einem Piepen quittiert, was eigentlich unnötig ist, da die Buttons einen ordentlichen Druckpunkt haben, so das eigentlich kein Zweifel darüber aufkommt, ob man jetzt gedrückt hat oder nicht. Der Bereichswahlschalter erfüllt seinen Zweck, mehr aber auch nicht. Er ist eher schwammig und fühlt sich nicht super robust an. Dafür lässt er sich wenn das MM flach auf dem Tisch liegt bewegen ohne das sich das Gerät mitdreht. Der ausklappbare Ständer ist etwas frickelig, vor allem wenn man nicht die kleinsten Hände hat, erfüllt aber sobald ihn dann aufgeklappt hat seinen Zweck.  Die Messleitungen sind mit 600V CAT. IV spezifiziert und bis auf ca. 2mm isoliert, das ist zwar sicherheitstechnisch nicht schlecht, macht sie für Elektroniksachen, aber etwas sperrig. Die Qualität ist zweckmäßig. Außerdem liegt noch ein K-Typ Thermofühler in der Box, den man selbst bei deutlich teureren Multimetern oft dazu kaufen muss. Danke dafür.
Zusätzlich zu den normalen Messfunktion bietet das Multimeter noch eine Relativ-Funktion, "Min Max" sowie einen Hold-Modus. Bei letzterem handelt es sich jedoch nicht um einen Auto-Hold wie bei den Flukes sondern um einen normalen (sprich nutzlosen) bei dem einfach nur der gerade angezeigte Wert eingefroren wird.

Das Auto-Ranging ist nicht das schnellste aber nicht störend langsam und funktioniert sogar im Relativ und Min/Max Modus.Anders sieht das leider mit der  Display-Aktualisierung und dem Durchgangsprüfer aus. Beide sind schockierend lahm.

Fazit

Wenn man mit dem langsamem Displayupdate und grottigem Durchgangsprüfer leben kann, bekommt man mit dem DM9199 ein robustes und genaues Messgerät mit hoher Auflösung, zu einem extrem fairen Preis. Vor allem die Äußere Verarbeitung überzeugt, auch wenn das IP-67 Rating wegen den genannten Einschränkungen eher als Gimmick einzustufen ist. Die interne Verarbeitungsqualität hinkt dem Äußeren etwas hinterher, weshalb ich kein Geld darauf wetten würde, dass einem das MM ein leben lang begleitet, aber zumindest wird es einen auch nicht umbringen.
Unterm Strich wird es mein Fluke 87-V als Alltagsmeter zwar nicht ablösen, aber zumindest als Zweitgerät eine klare Empfehlung. 



 



Kommentare:

  1. Hallo,
    ich bin noch nicht so bewandert, hatte bis jetzt nur ein Billig-Multimeter. Ich bin nicht ganz schlau geworden, ab wieviel HZ das Teil Frequenzmessungen machen kann?

    Gruß!

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    1. Laut Anleitung 0-100MHz. Bis auf 1Hz herunter misst das Teil, tiefere Frequenzen kann ich hier nicht testen.

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